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03 | 09 | 2010
Die Friesen
"De Regionalrat is för 't Moors!"

"De Regionalrat is för 't Moors!"

 

Am Mittwoch, den 25. August 2010 , fand in Aurich die konstituierende Sitzung des künftigen Regionalrates unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Bereits im Vorfeld hagelte es Kritik an der Ausgestaltung des Regionalrates: "keine Kompetenz", "keine demokratische Legitimation", "Debattierclub", "Papiertiger" und "Totgeburt" waren nur einige der teils schmähenden Zitate, die durch die Medien geisterten.

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Unser Ostfriesland stirbt -

und keiner hilft!

Arno Rademacher, BundesvorsitzenderDrastisch formuliert, sicherlich, aber leider voll zutreffend. Seit vielen Jahren geht es mit uns und mit unserer Identität immer weiter abwärts, aber keiner scheint darauf zu reagieren. Der Interfriesische Rat findet nur alle drei Jahre für ein paar Tage auf Helgoland statt, wenn man sich beim Betrachten von Trachtentanztruppen ein paar Bierchen in den Hals kippen kann. Trotzdem ist man dort der Meinung, die einzig legitime Vertretung der Friesen zu sein.
Die Ostfriesische Landschaft ist leider chronisch unterfinanziert. Zwar wurde mithilfe dieser Institution, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihr Äußerstes tut, das Aussterben unserer Plattdeutschen Sprache verlangsamt, vom Eis ist diese Kuh jedoch noch lange nicht. Bis dahin ist es wohl noch ein hartes Stück Arbeit. Unsere Sprachen -das Oostfreesk und das Seeltersk- laufen deshalb aus vorgenannten Gründen Gefahr  zum touristischen Lokalkolorit zu verkommen, falls die Ostfriesische Landschaft nicht mit den Mitteln ausgerüstet wird, welche für eine zukunftsträchtige Arbeit notwendig sind.
Flagge OstfrieslandAls 1978 der Regierungsbezirk Aurich und damit eine für die regionale Identität und für die übergeordnete Raumplanung enorm wichtige Einrichtung einfach aufgelöst wurde, hat es seltsamerweise kaum Proteste gegeben. Das letzte Stückchen Selbstverwaltung und -bestimmung wurde per Verwaltungsverfügung aus Hannover einfach kassiert. Unsere Vorfahren wären lieber in den Tod gegangen, als sich von Fremden Vorschriften machen zu lassen:
Lever dood as Slav!
Im Armutsatlas, den der Paritätische Gesamtverband am 18. Mai 2009 veröffentlicht hat, belegt Ostfriesland in den alten Bundesländern den letzten Platz; in der Studie zur Zukunftsfähigkeit der Regionen des Prognos Institutes vom  17. September 2009 haben wir keinerlei Perspektive (mehr) und in einer Studie der regionalen Sterblichkeitsquote des Statistischen Landesamtes in Hannover vom 20. Juli 2009 liegt Ostfriesland auch bereits deutlich unter dem Landesdurchschnitt. Der Leiter dieser Einrichtung, Prof. Lothar Eichkorn, stellt denn auch zu Recht fest:
"Das liegt an der Armut."
Auffallend gerade an dieser Studie ist, dass sich das Bild offenbar innerhalb von 20 Jahren dramatisch verändert hat. So steht in Fachbüchern zur friesischen Geschichte, dass noch im Jahr 1986 die Ostfriesen überdurchschnittlich alt wurden und führt dieses auf gesunde Luft, ein beschauliches Leben und gute Ernährung zurück.
Wir Friesen siedeln mindestens seit 2.200 Jahren entlang der Nordseeküste von der Schelde bis hinter die Weser. Seit dieser Zeit kämpften unsere Vorfahren gegen den "Blanken Hans" und gegen Fremdherrscher, die Hand an unser Land legen wollten. Doch der größten Bedrohung der Neuzeit haben wir bislang nichts entgegenzusetzen: Der Klimawandel ist in vollem Gange und wird von keinem ernstzunehmenden Wissenschaftler bestritten. Wir müssen uns dringend auf diese neue Gefahrenlage vorbereiten. Wenn der Pegel in der Nordsee bereits messbar gestiegen ist, wird es zu spät sein. Unsere Deiche sind nicht zukunftsfähig; im Gegenteil, sie sind bereits heute nicht sicher, weil sie einen wesentlichen Konstruktionsmangel aufweisen: aus Kostengründen hat man die Deichkerne aus Spülsand statt aus Kleiboden errichtet. Was mit solchen Deichen geschieht, wenn sie unter Druck geraten, haben wir beim Elbhochwasser 2002 erleben müssen: die Deiche laufen einfach aus und überlassen das Hinterland schutzlos den Wassermassen. In Hannover wird man indes nicht müde, gebetsmühlenartig zu versichern, die Deiche seien mindestens bis zum Jahr 2050 sicher und dann habe man noch genug Zeit, zu reagieren, wenn sich abzeichne, dass die Deiche nicht hoch genug seien.
Ein anderes Thema: in Papenburg sitzt ein Schiffbauer, der aus reinem Trotz mitten im Land Riesenschiffe der Post-Panmax-Klasse bauen will. Nur weil dieser feine Herr einfach nicht nach Emden umziehen will, muss eine ganze Region leiden und sich permanent mit der Arbeitsplatzkeule malträtieren lassen. Wenn dieser Herr so große Schiffe bauen will, dann MUSS er ans tiefe Wasser umsiedeln. Billiger als der blödsinnige Emskanal ist der Umzug ohnehin. Ansonsten soll er doch sehen, wie die Schiffe ans Meer kommen - mit der Ems ist jedenfalls Schluss!
Seit mehr als 1.200 Jahren besitzen wir Friesen verbriefte Freiheitsrechte,
"der Geborene und der Ungeborene,
solange die Welt besteht
und solange der Wind vom Himmel weht!"
doch diese Freiheit hat man uns seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland häppchenweise immer weiter beschnitten. Und nicht nur das - man nimmt uns unsere Identität und versucht, uns einzudeutschen. Diese blödsinnigen Ostfriesenwitze, die ihre moderne Entsprechung im Privatfernsehen finden, tun ein Übriges. Viele Ostfriesen schämen sich mittlerweile, zuzugeben, woher sie stammen. Umso erfrischender ist es, wenn ein Prominenter wie Dieter Bohlen sich im Fernsehen outet:
"Ich bin Ostfriese."
Wenn wir jetzt nicht endlich aufstehen und uns gegen die Verdeutschung zu Wehr setzen, wird es innerhalb von 50 Jahren keine Ostfriesen mehr geben.
"Nur ein Übel ist unheilbar:
Wenn ein Volk sich aufgibt."
Johann Wolfgang von Goethe
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